Geschichte
 
Familie Bockelmann

Inhaltsverzeichnis

GeschichteZusammenfassung der Dorfgeschichte
Aus der Geschichte BarendorfsAus der Geschichte Barendorfs
Dorfchroniken diverser AutorenDorfchroniken diverser Autoren
Das Gut BarendorfDas Gut Barendorf
Schule in Barendorf: 1896 bis heuteSchule in Barendorf: 1896 bis heute
Was uns Wappen erzählenWas uns Wappen erzählen
Familie BockelmannFamilie Bockelmann
Festschrift zur 850-Jahr-Feier 2008Festschrift zur 850-Jahr-Feier 2008
Wüstungen im GemeindegebietWüstungen im Gemeindegebiet
Historisches KartenmaterialHistorisches Kartenmaterial
Topografische LuftaufnahmenTopografische Luftaufnahmen
LiteraturLiteratur
ArchivArchiv


Der Entwurf dieser Chronik wurde von Michael Hanika erstellt.

Johann Hinrich Bockelmann"Die Ursprünge der Familie Bockelmann liegen in Vegesack. Hier wurde 1807 Johann Hinrich Bockelmann geboren. Sein Sohn gleichen Namens kam am 30. Mai 1838 zur Welt. Er wandte sich nicht dem Beruf seines Vaters - Tischler - zu, sondern er ging zur See. Er erreichte alles was man als Seemann erreichen kann: als Kapitän des Passagierschiffes "Henriette" befuhr er die Atlantikroute Bremen - New York.

Christian Karl Heinrich BockelmannSeine anpackende, unternehmende Art vererbte er an seinen Sohn Christian Karl Heinrich Bockelmann, der am 28. Mai 1870 in Osternburg (Oldenburg) geboren wurde. Als Volontär geht er nach Moskau zur Junker-Bank, eine deutsche Bank, die mit den Namen Junker, Röder und Förster verbunden war.
Anna Luise BockelmannEr erweist sich als tüchtiger Bankier, steigt rasch auf und heiratet Anna Luise Förster, die zweite Tochter des Haupteigners Johann Förster. Schließlich wird er Direktor der Bank. In Moskau werden alle fünf Söhne aus dieser Ehe geboren:

  • Erwin, der später der deutsche Chef von BP und der erste deutsche Präsident des Welterdölkongresses wird
  • Rudi, der als Landwirt in Kärnten eines der beiden Güter leitet
  • Werner, Rechtsanwalt, der erste Nachkriegsbürgermeister der Stadt Lüneburg und Oberbürgermeister von Frankfurt
  • Gert, der 1944 nach dem landwirtschaftlichem Studium die Verwaltung von Gut Barendorf übernimmt
  • und Jonny, Rechtsanwalt und Chef der BP Hessen.


Stadthaus in der Gorochowskaja-Straße
Abb.: Stadthaus
In Moskau gehörte die Familie der reichen Oberschicht an. Das Stadthaus in der Gorochowskaja-Straße (jetzt Kasakova, gegenüber dem Institut für physikalische Wissenschaften. Das Haus beherbergt eine Miliz-Dienststelle), unweit dem feudalem Offiziercasino in der Puschkinstraße, spiegelte einen heute kaum noch vorstellbaren Wohlstand.

Datscha bei Nemtschinowka
Abb.: Datscha
Außerhalb Moskaus besaß die Familie an der Eisenbahnstation Nemtschinowka ein Gut. Auf der Minsker Chaussee geht es in westlicher Richtung bis zur Wegegabel nach Moschaisk. Rechts liegt das Dorf mit dem Gut und dem benachbarten Hof von "Onkel" Robert Lehmann. Die Datscha der Familie befindet sich an einem der Birkenwege, der auf die Felder führt.

Das Bankhaus J. W. Junker & Co stand am Kusnetzki Most, unweit des Bolschoj-Theaters. Heute enthält es eine wissenschaftliche Staatsbibliothek. Schräg gegenüber dem Bolschoj, im alten Kaufhaus, sowie im Jelesejef, dem elegantesten Delikatessengeschäft Moskaus, pflegte "Mama" Bockelmann einzukaufen.

Villa Fredholm bei Stockholm
Abb.: Villa Fredholm
Die russische Revolution macht fast alles zunichte. 1916 flieht die ganze Familie Hals über Kopf, unter Zurücklassung allen Mobiliars. Der Oberbürgermeister von Moskau besorgt das geeignetste Transportmittel: im plombierten Eisenbahnwaggon finden alle, darunter die Großmutter Anna Förster (geb. Röder), die Dienerin Pascha Ziganova, das Kindermädchen Ilja Rechtern und der Hauslehrer Pfister Platz. Über Helsinki geht es nach Stockholm, wo die Familie in Villa Fredholm vorübergehend Ruhe findet.

Gut Barendorf Luftaufnahme
Abb.: Herrenhaus
1918 erfolgt der Umzug nach Deutschland. Heinrich Bockelmann kauft Gut Barendorf, wo er sich mit der Familie niederläßt. Es beginnt eine emsige Bautätigkeit: noch im selben Jahr wird von Gartenarchitekt Schnakenberg der jetzige Teich angelegt und mit dem Aushub der alte Teich auf dem Hof zugeschüttet. Das Badehäuschen, Parkwege und der Tennisplatz entstehen.
Die Villa
Abb.: Die Villa
1921 wird von den Hamburger Architekten Jakob und Ameis die "Villa" gebaut (und zwar für die befreundete Familie Werner, die ebenfalls aus Rußland geflohen war. Werners verzogen später nach Nizza, das Haus wurde an Offiziere der Garnison vermietet, u.a. Rittmeister Carl Cramer und General der Artillerie Engel.).

Im selben Jahr gründet Heinrich Bockelmann die Privatbank in Berlin, Maurerstraße. Er lebt daher auch weitgehend in Berlin-Ruhleben, später Willmersdorf. 1924, nach der Scheidung von seiner Frau Anna, verläßt er Barendorf ganz. 1925 verheiratet er sich wieder mit der Tochter seines Freundes Frerichs aus Hildburghausen. 1929 verkauft er die Bank. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe stößt er auf Schloß und Gut Ottmanach bei Klagenfurt (Kärnten), das er 1931 erwirbt und seinem Sohn Rudi zur Bewirtschaftung überträgt. Vorübergehend läßt er sich dort auch nieder, geht dann aber 1937 wegen seiner Atembeschwerden nach Meran. Dort findet er in der Dantestraße 40 (1940 hieß die Dantestraße "Via dei Caduti Fascisti") eine Villa, die er kauft. Er stirbt dort am 7. Februar 1945, kurz danach auch seine Frau. Das Haus und der gesamte Besitz geht in den Kriegswirren unter sehr mysteriösen Umständen an seinen Vorbesitzer namens Nathan verloren, der es an einen Baron von und zu Teuffenbach verkauft.

Heinrich Bockelmann war ein erfolgreicher, ja begnadeter Bankier. Der Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht sagte von ihm: "der beste Arbitrageur den ich kenne." Daß er daneben auch viel Humor besaß, zeigen folgende Geschichten:

Nachdem er mit Söhnen und Schwiegertochter in Berlin die Nacht in der Königinbar verbracht hatte, wird nach einem obligatorischem Abstecher im in-Lokal "Vaterland" gegen zwei Uhr der Heimweg angetreten. Es ist noch ein heftiges Treiben der Nachtfalter auf den Straßen, die ersten Zeitungsverkäufer rufen ihre Morgenausgaben aus. Vater Bockelmann steigert deren Umsatz: er drückt einem Verkäufer fünfzig Mark in die Hand - ein Vermögen - nimmt ihm den Packen Zeitungen ab und verteilt nun selbst - kostenlos - im Koks und Nerzmantel die Zeitungen an die erstaunten Passanten.

In Klagenfurt hatte er sich etwas besonderes ausgedacht: Da er auf Schloß Ottmanach kein Auto zur Verfügung hatte, wurde für die wöchentliche Einkaufsfahrt die Camionetta, ein Kleinlaster des Guts verwendet. Vorne saß der Fahrer, Rudi, dessen Frau Käthe und Grete die junge Frau. Blieb für den alten Herren nur die Ladefläche. Hier drauf ließ er sich nun einen gewaltigen gepolsterten Rohrsessel montieren. Vor dem Hotel Moser wurde stets geparkt. Der Portier hielt es für einen üblen Scherz, als der ihm bekannte, reiche Generaldirektor über eine eigens angefertigte Trittleiter gravitätisch von der Ladefläche der Camionetta herabschritt, um das Hotel zu betreten.

Gut Barendorf - Herrenhaus - Innen
Abb.: Herrenhaus
"Omi" Anna Bockelmann blieb die Herrin auf Gut Barendorf; sie wohnte im Herrenhaus, der jetzigen Heimvolkshochschule. Die Söhne verließen nach und nach zum Studieren das Haus oder sie machten sich selbständig.
Gut Barendorf - Kutscher Lehmann
Abb.: Kutscher Lehmann
Der Krieg führte sie, wenigstens vorübergehend, alle wieder zusammen. Wegen der alliierten Bombenangriffe auf die Städte suchten die Schwiegertöchter mit ihren Familien die Sicherheit des Familienwohnsitzes.

  • Lilo bezieht 1940 die Villa, muß 1945-1947 zu Bäcker Hesse nach Lüneburg und kehrt 1955 nach Hamburg zurück
  • Käthe aus Ottmanach kommt 1944 aus Furcht vor den Jugoslawen. Sie wohnt mit
  • Rita im Verwalterhaus. Diese geht 1945 nach Lüneburg, nachdem ihr Mann Werner von der britischen Militärverwaltung zum Bürgermeister von Lüneburg ernannt wird
  • Maria und Gert wohnen mit Omi im Herrenhaus
  • Jonny ist im Kriege und kommt erst nach langer Kriegsgefangenschaft 1951 aus Rußland zurück


Gegen Kriegsende wird das Herrenhaus von den Engländern besetzt und als Stabsquartier der Militärverwaltung für Lüneburg verwendet. Die Villa belegt ein belgischer Offizier. Omi findet zuerst Platz bei Gert im Verwalterhaus, dann bei Lilo in der Villa, die 1947 wieder frei geworden war. Gert übernimmt diese 1955 mit seiner neuen Frau Elke.

Als das große Haus 1953 wieder frei wird, benötigt die Familie es nicht mehr und vermietet es im selben Jahr an die Heimvolkshochschule. 1979 wird es dann an den Verein HVHS-Barendorf verkauft. Anna Bockelmann stirbt 1965."

Barendorf Wappen