Inhaltsverzeichnis
Der Entwurf dieser Chronik wurde von Michael Hanika erstellt.
- Erwin, der später der deutsche Chef von BP und der erste deutsche Präsident des Welterdölkongresses wird
- Rudi, der als Landwirt in Kärnten eines der beiden Güter leitet
- Werner, Rechtsanwalt, der erste Nachkriegsbürgermeister der Stadt Lüneburg und Oberbürgermeister von Frankfurt
- Gert, der 1944 nach dem landwirtschaftlichem Studium die Verwaltung von Gut Barendorf übernimmt
- und Jonny, Rechtsanwalt und Chef der BP Hessen.
| Abb.: Stadthaus |
| Abb.: Datscha |
Das Bankhaus J. W. Junker & Co stand am Kusnetzki Most, unweit des Bolschoj-Theaters. Heute enthält es eine wissenschaftliche Staatsbibliothek. Schräg gegenüber dem Bolschoj, im alten Kaufhaus, sowie im Jelesejef, dem elegantesten Delikatessengeschäft Moskaus, pflegte "Mama" Bockelmann einzukaufen.
| Abb.: Villa Fredholm |
| Abb.: Herrenhaus |
| Abb.: Die Villa |
Im selben Jahr gründet Heinrich Bockelmann die Privatbank in Berlin, Maurerstraße. Er lebt daher auch weitgehend in Berlin-Ruhleben, später Willmersdorf. 1924, nach der Scheidung von seiner Frau Anna, verläßt er Barendorf ganz. 1925 verheiratet er sich wieder mit der Tochter seines Freundes Frerichs aus Hildburghausen. 1929 verkauft er die Bank. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe stößt er auf Schloß und Gut Ottmanach bei Klagenfurt (Kärnten), das er 1931 erwirbt und seinem Sohn Rudi zur Bewirtschaftung überträgt. Vorübergehend läßt er sich dort auch nieder, geht dann aber 1937 wegen seiner Atembeschwerden nach Meran. Dort findet er in der Dantestraße 40 (1940 hieß die Dantestraße "Via dei Caduti Fascisti") eine Villa, die er kauft. Er stirbt dort am 7. Februar 1945, kurz danach auch seine Frau. Das Haus und der gesamte Besitz geht in den Kriegswirren unter sehr mysteriösen Umständen an seinen Vorbesitzer namens Nathan verloren, der es an einen Baron von und zu Teuffenbach verkauft.
Heinrich Bockelmann war ein erfolgreicher, ja begnadeter Bankier. Der Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht sagte von ihm: "der beste Arbitrageur den ich kenne." Daß er daneben auch viel Humor besaß, zeigen folgende Geschichten:
Nachdem er mit Söhnen und Schwiegertochter in Berlin die Nacht in der Königinbar verbracht hatte, wird nach einem obligatorischem Abstecher im in-Lokal "Vaterland" gegen zwei Uhr der Heimweg angetreten. Es ist noch ein heftiges Treiben der Nachtfalter auf den Straßen, die ersten Zeitungsverkäufer rufen ihre Morgenausgaben aus. Vater Bockelmann steigert deren Umsatz: er drückt einem Verkäufer fünfzig Mark in die Hand - ein Vermögen - nimmt ihm den Packen Zeitungen ab und verteilt nun selbst - kostenlos - im Koks und Nerzmantel die Zeitungen an die erstaunten Passanten.
In Klagenfurt hatte er sich etwas besonderes ausgedacht: Da er auf Schloß Ottmanach kein Auto zur Verfügung hatte, wurde für die wöchentliche Einkaufsfahrt die Camionetta, ein Kleinlaster des Guts verwendet. Vorne saß der Fahrer, Rudi, dessen Frau Käthe und Grete die junge Frau. Blieb für den alten Herren nur die Ladefläche. Hier drauf ließ er sich nun einen gewaltigen gepolsterten Rohrsessel montieren. Vor dem Hotel Moser wurde stets geparkt. Der Portier hielt es für einen üblen Scherz, als der ihm bekannte, reiche Generaldirektor über eine eigens angefertigte Trittleiter gravitätisch von der Ladefläche der Camionetta herabschritt, um das Hotel zu betreten.
| Abb.: Herrenhaus |
| Abb.: Kutscher Lehmann |
- Lilo bezieht 1940 die Villa, muß 1945-1947 zu Bäcker Hesse nach Lüneburg und kehrt 1955 nach Hamburg zurück
- Käthe aus Ottmanach kommt 1944 aus Furcht vor den Jugoslawen. Sie wohnt mit
- Rita im Verwalterhaus. Diese geht 1945 nach Lüneburg, nachdem ihr Mann Werner von der britischen Militärverwaltung zum Bürgermeister von Lüneburg ernannt wird
- Maria und Gert wohnen mit Omi im Herrenhaus
- Jonny ist im Kriege und kommt erst nach langer Kriegsgefangenschaft 1951 aus Rußland zurück
Gegen Kriegsende wird das Herrenhaus von den Engländern besetzt und als Stabsquartier der Militärverwaltung für Lüneburg verwendet. Die Villa belegt ein belgischer Offizier. Omi findet zuerst Platz bei Gert im Verwalterhaus, dann bei Lilo in der Villa, die 1947 wieder frei geworden war. Gert übernimmt diese 1955 mit seiner neuen Frau Elke.
Als das große Haus 1953 wieder frei wird, benötigt die Familie es nicht mehr und vermietet es im selben Jahr an die Heimvolkshochschule. 1979 wird es dann an den Verein HVHS-Barendorf verkauft. Anna Bockelmann stirbt 1965."

