Inhaltsverzeichnis
Allgemeines
In dem heutigen Gemeinde- oder zumindest unmittelbar angrenzenden Gebiet sind vier wüste Stätten bekannt, die im folgenden näher beschrieben werden.
Dr. Gerhard Osten behandelt die Thematik der Wüstungen in seiner Arbeit "Die Wüstungen des Landkreises Lüneburg", erschienen in Heft 11/12 der Lüneburger Blätter von 1961, ausführlich: die Arbeit beinhaltet eine allgemeine Betrachtung und Beschreibung der einzelnen Wüstungen sowie eine Ausführung über historische Gründe und landschaftliche Auswirkungen.
Für Interessierte sind folgende Listen hilfreich, um die alten Maße und Gewichte, die in den im Lüneburger Kreis-Kalender der 1930er Jahre erschienenen Arbeiten von J. Rabeler und Magdalene Stange vorkommen, nachzuvollziehen:
| Der topographische Atlas 1838 |
Die Wüstung Berc
Dr. Gerhard Osten schreibt:
Berc lag am Westrand des Forstbezirkes "Die Birken", der seinen Namen von der Wüstung hat. Doch sind nur wenige Ackerspuren in der Forst zu erkennen.
In der Bestätigung der Schenkungen an das Kloster Rastede aus dem Jahre 1305 wird Berc erwähnt (26). 1310 erwirbt das Kloster Lüne von den Grafen v. Schwerin den Sunder, zwei Höfe und eine Kote zu Berc. 1320 treten Albert von Reinstorf u.a. dem Kloster Lüne ihre bona, also mindestens zwei, in Berc ab (27). Berc bestand daher mindestens mindestens aus vier Höfen und einer Kote. - 1339 überlassen die Grafen v. Schwerin dem Kloster den Zehnten in Berc.
26: Oldenburger Urkundenbuch IV. 60. Nach Lappenbergs Hamb. Urkundenbuch Nr. 293 erscheint er Ort bereits in der Bestätigung der Güter von 1124. Auch die Wiedergabe der Urkunde von 1190 ist etwas unterschiedlich.
27: Urkunden des Klosters Lüne Nr. 120/22 und 147. E. Nolte, Quellen und Studien zur Geschichte des Nonnenklosters Lüne bei Lüneburg. Studien z. Kirchengesch. Nieders. 6. Göttingen 1932, (zitiert: Nolte) S.77 und Kühnel, Die slawischen Orts- und Flurnamen im Lüneburgischen (Zs. Hist. Ver. f. Nieders. 1901 und 1903), S. 293 behaupten, Berc sei Bargmoor; doch dies ist ein Irrtum.
Die Wüstung Holthusen
Nach J. Rabeler wurde Holthusen erstmals 1321 urkundlich erwähnt. Von 1416 ist das letzte Zeugnis eines intakten Dorfes im Norden Barendorfs, als die Witwe eines Ritters ihr Erbe regelt.
Sehr wahrscheinlich bereits vor 1581 ist Holthusen wüst geworden. In diesem Jahr waren, wie auch schon einmal 1394, die Ländereien des wüsten Holthusen Grund für eine Auseindersetzung zwischen dem Kloster St. Michaelis in Lüneburg und dem Kloster Lüne, welche die zu leistenden Abgaben der Barendorfer Bauern, die die Holthusener Ländereien bewirtschafteten, jeweils für sich beanspruchten.
Der Vogt Johann Hinrich Meyer, der 1708 mit seinem Anliegen, das wüste Köstorf wieder aufzubauen (s. unten), scheiterte, pachtete ab 1710 die Ländereien des wüsten Holthusen.
J. Rabeler führt die Vorgänge in seiner Arbeit "Holthusen", die 1936 im Lüneburger Kreis-Kalender erschien, ausführlich aus:
Die Wüstung Köstorf
Daran, dass im Südosten des heutigen Gemeindegebiets von Barendorf, nahe Volkstorf, ein Ort namens Kö(h)storf lag, besteht wenig Zweifel.
Anhand von Schriftverkehr vom Anfang des 18. Jahrhunderts dokumentiert J. Rabeler in folgendem
| Karte von J. Rabeler im LKK 1935 |
Als weiteres Indiz für die Existenz Köstorfs gelten die in Volkstorf und Vastorf bis heute überlieferten Anekdoten in Schöppenstedter / Eulenspiegel - Tradition über die Bewohner Köstorfs.
Diese Anekdoten nahm die Schriftstellerin Magdalene Stange-Freerks, die viele Jahrzehnte in Vastorf gelebt hat, zum Anlass für ihren Artikel "Das untergegangene Dorf" im Lüneburger Kreis-Kalender von 1938. Später, 1973, dienten ihr die Köstorfer gar als Vorlage für ihren Roman Lütt Thies - Schelmengeschichten aus der Lüneburger Heide.
Die Wüstung Niendorf
Dr. Gerhard Osten schreibt:
Niendorf bei Reinstorf hebt sich in seinem urkundlichen Nachweis deutlich von der Wüstung Niendorf bei Neetze ab.
Die mündliche Überlieferung in Reinstorf berichtet, der Ort habe westlich des Dorfes gelegen, und zwar unmittelbar nördlich der Straße nach Barendorf, auf dem Felde östlich der Wiesenniederung vorm Walde. Westlich der Dorfstelle im Walde ist ein Hochackergebiet deutlich erkennbar. Der Niendorfer Busch wird als Flurname auch in einer Schnedebeschreibung von 1574 westlich Reinstorf genannt (112).
1190 wird Niendorf mit Reinstorf in der Bestätigung der Güter des Klosters Rastede erwähnt (113). 1339 schenken die Grafen v. Schwerin dem Kloster Lüne zwei Höfe in "Nigendorpe iuxta Reinstorf" (114). 1370 erwirbt das Kloster St. Michaelis das Dorf "Nygendorpe bi Reynstorpe" von den von Eldingen (115). Das Winsener Schatzregister nennt in Nygendorpe, das zwischen Horndorf und Reinstorf aufgeführt ist, einen Abbauern und einen Hakenhof (116). 1460 erscheint Niendorf, damals in parrochia Wenthusen, zum letzten Male (117).
112: Vgl. v. Hammerstein S.325.
113: Oldenburger Urkundenbuch IV, Nr.5.
114: Lüner Urk. Nr. 236, vgl. Nolte S.78 und 84.
115: S.M. Nr. 649 und 660.
116: Meyer, Winsener Schatzregister, Lüneburg 1891, S.35.
117: Gebhardi Collectaneae I (Landesbibliothek Hannover), S.327.
